Zusammen mit seinem Kollegen Harry Vorrath hat Brendtro das Konzept „Positive Peer Culture“ (PPC) entwickelt, das die Stärken der Jugendlichen in den Vordergrund stellt. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit einer Gruppe gleichaltriger Jugendlicher („Peers“), die oft mehr Einfluss auf ihre Altersgenossen haben als die eigene Familie oder pädagogische Fachkräfte. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung zu motivieren.

Was aber tun, wenn die Jugendlichen den Erwachsenen misstrauen und kein Kontakt zu ihnen hergestellt werden kann? Als Antwort auf die stellte Brendtro besondere Kommunikationstechniken vor, mit denen das Vertrauen von Jugendlichen wieder gewonnen werden kann. Genauso wichtig sei es aber, dass die Erwachsenen den Jugendlichen vertrauen, betonte der Experte: „Wir glauben immer, dass sich die Jugendlichen gegen uns Erwachsenen richten, wenn sie sich zu einer Gruppe zusammentun.“

Das Konzept der PPC dagegen will gerade erreichen, dass die Jugendlichen ihre Probleme untereinander diskutieren und gemeinsam nach Lösungen suchen, ohne dabei ständig von Erwachsenen kontrolliert zu werden. Bei seinen Lösungsvorschlägen stützt sich der US-Amerikaner auch auf Erkenntnisse der modernen Hirnforschung: „Wenn man jemandem hilft, wird im Gehirn ein Stoff freigesetzt, der Glücksgefühle hervorruft. Das müssen wir uns bei unserer Arbeit zunutze machen.“ Brendtro betonte auch, wie wichtig positive Vorbilder für die Kinder und Jugendlichen sind: „Wenn wir Erwachsenen nicht respektvoll und fürsorglich miteinander umgehen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Jugendlichen sich genauso verhalten.“

In den Vereinigten Staaten ist das in den 70er und 80er Jahren entstandene Konzept der PPC schon weit verbreitet. Seit den 90er Jahren findet es auch in Deutschland immer mehr Aufmerksamkeit. Auch die Einrichtungen der Rummelsberger Dienste für junge Menschen haben sich nun dieses Konzept auf die Fahnen geschrieben. Die Wurzeln von PPC liegen übrigens in der „Alten Welt“. Maria Montessori, Don Bosco, Johann Pestalozzi und viele andere europäische Reformpädagogen haben die Grundlagen geschaffen, auf denen Larry Brendtro und Harry Vorrath ihr Konzept aufbauten.

Wie groß das Interesse an PPC hierzulande ist, bewies die große Teilnehmerzahl der diesjährigen Fachtagung. Über 135 Teilnehmer konnten die Organisatoren der Fachtagung, Linda Neundorf und Andreas Ulrich, im Rummelsberger Saal der Jugendhilfe begrüßen. Ein neuer Rekord für Larry Brendtro, der schon PPC-Trainings in Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika gegeben hat. Unterstützt wurde er von seiner Frau Janna sowie den PPC-Trainern Beate Kreisle und Oliver Pelzer. Anhand zahlreicher anschaulicher Beispiele aus seiner langjährigen beruflichen Praxis und mit viel Humor faszinierte Brendtro sein Publikum.

Außerdem gab Brendtro am Abend des ersten Tages einen zweistündigen Fachvortrag in der Evangelischen Fachhochschule in Nürnberg. Ein Publikum von circa 60 Interessierten informierte sich über die Grundlagen von Positive Peer Culture. Am Ende des zweiten Tages konnte sich Dienststellenleiter Olaf Forkel im Namen aller Teilnehmenden für zwei inhaltsreiche Tage bedanken.

Hubert Hiecke/RDM

Bild 1: Die Akteure der Fachtagung Linda Neundorf, Olaf Forkel, Beate Kreisle, Janna Brendtro, Larry Brendtro, Oliver Pelzer (v.l.). Foto: Hiecke

Bild 2: Larry Brendtro faszinierte die Teilnehmer der Rummelsberger Fachtagung mit seinem lebendigen und humorvollen Vortrag. Foto: Hiecke

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