Bei PPC steht die Arbeit mit einer Gruppe gleichaltriger Jugendlicher („Peers“) im Mittelpunkt, da Gleichaltrige ihre Altersgenossen oft mehr beeinflussen können als Eltern oder Pädagogen. Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung zu motivieren und eine Kultur des rücksichtsvollen Miteinanders zu entwickeln. Brendtro formuliert es so: „Sich Kümmern muss in Mode kommen.“

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Empathie, also die Fähigkeit, sich in die Gefühle eines anderen Menschen hineinversetzen zu können. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bereits Kleinkinder über diese Fähigkeit verfügen. Die Bereitschaft, anderen Menschen zu helfen, ist angeboren. Durch schlechte Erfahrungen während der Kindheit kann diese Bereitschaft aber verloren gehen.

Als Ursache für das Desinteresse und die Schulprobleme vieler Kinder und Jugendlicher nennt Brendtro den übermäßigen Druck, der auf die jungen Menschen ausgeübt wird: „Die Kinder haben Angst vor dem Scheitern, deshalb versuchen sie manche Dinge erst gar nicht.“ Dabei sei das Gehirn dafür geschaffen, schwierige Aufgaben zu bewältigen. Die weitverbreitete Ansicht, Talent sei angeboren, will Brendtro nicht teilen: „Durch Interesse und Übung lässt sich Meisterschaft erlangen.“ An die Pädagogen appelliert Brendtro, nicht die Einhaltung starrer Regeln einzufordern, sondern Werte zu vermitteln: „Verlangen sie Größe statt Gehorsam.“

Larry Brendtro hat das Konzept der PPC in den 70er und 80er Jahren gemeinsam mit seinem Kollegen Harry Vorrath entwickelt. Als Grundlage dienten die Erkenntnisse von Maria Montessori, John Bosco, Johann Pestalozzi und vielen anderen europäischen Reformpädagogen. In den Vereinigten Staaten ist PPC schon weit verbreitet. In Deutschland ist das Interesse ebenfalls groß. Das bewies auch die hohe Teilnehmerzahl an der diesjährigen Fachtagung. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte Organisator Andreas Ulrich gemeinsam mit dem Leiter des BBW Matthias Wagner in Rummelsberg begrüßen. Larry Brendtro begeisterte sein Publikum durch seinen anschaulichen und humorvollen Vortrag. Unterstützt wurde er von seiner Ehefrau Janna und der PPC-Trainerin Beate Kreisle.

Diakon Thomas Trapper, Leiter der Rummelsberger Dienste für junge Menschen, sieht viele Anknüpfungspunkte zwischen PPC und dem Menschenbild der Rummelsberger Jugendhilfe: „Zugehörigkeit ermöglichen, die Jugendlichen mitentscheiden lassen, ihre Stärken wahrnehmen und würdigen, das sind auch zentrale Teile der Rummelsberger Pädagogik.“

Hubert Hiecke/RDM

 

Bildtexte

Anhand zahlreicher anschaulicher Beispiele aus seiner beruflichen Praxis und mit viel Humor faszinierte Larry Brendtro sein Publikum. Foto: Hiecke

Diakon Dr. Thomas Trapper, Larry Brendtro, Janna Brendtro, Beate Kreisle, Matthias Wagner (v.l.n.r.). Foto: Hiecke

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